Altern ist keine Krankheit! | Wenn der geliebte Vierbeiner älter wird

Mittwoch, März 16, 2016

Plötzlich und ganz unbemerkt ist der Augenblick auf einmal da: Unser Hund ist alt. Oft waren vorher schon kleine Anzeichen sichtbar, die wir aber ganz schnell verdrängt haben. Aber warum eigentlich verdrängen? Altern ist keine Krankheit, sondern ein normaler Lebensabschnitt. Aber wie geht man mit der Situation richtig um?


 Ist Chiru alt? Als „jung“ kann man ihn wahrscheinlich nicht mehr bezeichnen. Er ist im November 10 Jahre alt geworden. Bei Spaziergängen höre ich  immer öfters „für sein Alter sieht er aber noch top fit aus…“ und die ersten Krankheiten sind auch bei ihm „angekommen“. Viele Einschränkungen schiebe ich momentan noch auf seine ungeklärten Rückenschmerzen und hoffe, dass sie sich noch legen. Aber auch ich kann die Augen vor der Tatsache nicht verschließen, dass ich nicht nur einen „kranken“ sondern auch einen „älteren Hund“ habe. Leider gehöre ich hierbei zu der Fraktion „den Hund in Watte packen“.  Ein schwieriger Balance-Akt ist für mich die „Schmerzauslöser“ bei ihm zu  vermeiden, ihm aber seine „Lebensqualität“ zu bewahren. In diesem Zusammenhang musste ich in den letzten Wochen oft an Aramis und sein Frauchen denken. Aramis Frauchen lernte ich während eines Junghund-Erziehungskurses kennen, den ich mit Chiru besuchte.  Sie hatte nicht nur Aramis, den  alten Setter- Rüden, sondern auch Stella, eine 9 Monate alt Aussie-Hündin. Während Stella  „Sitz – Platz – Bleib“  fleißig mit Frauchen übte, war Aramis immer mit dabei. 


Chiru und Stella freundeten sich schnell miteinander an,  und wir trafen uns oft zu gemeinsamen Spaziergängen. Mit von der Partie war immer Aramis, was ich toll fand. Obwohl er schon klapprig war, marschierte er unsere Runden immer stolz mit.  Er war dabei Tonangebend und gab uns das Tempo vor. Für sein Frauchen gab es kein einfaches " Aramis bleibt zu Hause", sondern sie hatte ein feines Gespür dafür wie weit sie ihn körperlich belasten konnte.  Ich hätte mir im Vorfeld bestimmt schon wieder ganz viele Sorgen gemacht: „Ist es  nicht zu warm für den alten Hund..“, „sind die jungen Hunde nicht zu wild mit ihm“ und und und. Sein Frauchen ließ die Situation erst einmal auf sich zu kommen. Anstatt jede Überbelastung bereits im Vorfeld zu vermeiden,  probierte sie mit ihm, was er noch schaffte. Trotz Herzprobleme und staksigen Gang war er für sie nie ein kranker, sondern nur ein alter Hund. Erstaunlicherweise behandelten Stella und Chiru den Senior ganz vorsichtig.  Er wurde von den beiden beim Toben nie über den Haufen gerannt. Chiru pöbelte zu dem Zeitpunkt schon verstärkt Rüden an. Bei Aramis war das nie der Fall, sondern er respektierte ihn sehr.


Irgendwann war dann aber doch der Zeitpunkt gekommen, an dem Aramis Herzprobleme trotz zahlreicher Tierarztbesuche und Tabletten schlimmer wurden. Er konnte nur noch kleine Spaziergänge machen und sein Frauchen fuhr oft mit ihm alleine zu seinem Lieblingswaldstück. Früher konnten sie die Strecke dorthin bequem laufen, jetzt fuhren sie das kleine Stück mit dem Auto. Bei seinen Runden konnte passieren, dass er ohnmächtig wurde und erst nach ein paar Minuten wieder wach wurde. „Was hast du in dieser Situation gemacht?“, fragte ich sein Frauchen entsetzt als sie mir davon erzählte. „Ich habe mich auf dem Boden hingesetzt und seinen Kopf gehalten und gestreichelt, bis er wieder wach wurde. Dann sind wir langsam zum Auto zurück gelaufen. Aramis hat von dem ganzen nichts mitbekommen und schaute nur irritiert, warum wir beide auf dem Boden saßen“. Ich habe sie dafür bewundert nicht in Panik zu verfallen.   Es wäre einfacher für sie gewesen, den alten Hund einfach nur in den Garten zu lassen oder eine kleine Runde um den Block mit ihm zu gehen. Sie wusste aber  wie gerne Aramis  in seinem Wäldchen lief – also hat sie ihn es bis zum Schluss ermöglicht. Für mich hat sie den Balanceakt perfekt hinbekommen einen alten Hund ein normales Hundeleben zu ermöglichen.  Ein glückliches Leben wie ich finde!

Ich hoffe, ich werde es bei Chiru genauso hinbekommen. Momentan muss ich dazu noch ganz viele Ängste vor gesundheitlichen Rückschlägen bei ihm überwinden. Aber ich bin mir sicher, dass ich das schaffe!

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20 Kommentare

  1. Wie fein geschrieben, mein Frauchen liebt betagte Hunde sehr, die bekommen von ihr immer eine "Sonderzuneigung" und ich tolleriere das grosszügig.
    Meine Blog-Freundin Zingara zeigt und rechelmässig wie man/hund in Ehren alt werden kann.
    Nasenstupsgrüsse von Ayka

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    1. Liebe Ayka, danke für deinen Lesetipp von Zingaras Blog - ich werde gleich mal schauen, ob ich den finde! Alte Hunde haben einfach eine ganz besondere Ausstrahlung :-)!
      Liebe Grüße
      Sali

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  2. Ein bewegendes Thema und Hut ab vor deiner Bekannten.Ich finde das ist genau die richtige Einstellung. Unsere 4-Beiner sind Familienmitglieder, die uns durch alle Lebensphasen begleiten.Folglich begleiten wir auch sie.Leider sehe ich hier im Umfeld oft Leute,denen die Tiere im Alter zu unbequem werden.Man klagt über teure Medikamente...klagen sie wohl auch,wenn sie im Alter teure Medikamente brauchen?Ich wünsche uns noch viele Jahre mit Mr.Wichtig und den Balanceakt wirst du schaffen.

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    1. Danke für deine lieben Worte Micky, die mir wie immer aus den Herzen sprechen!
      Dicken Bussi
      Sali

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  3. Ich denke mal, ein Stück weit wächst man da auch mit rein. Es ist ja auch bei jedem Hund anders. Kim war zum Beispiel nur 8 Wochen ein wirklich "alter Mann" und es ging eben alles einen Tick langsamer. Insgeheim wünsche ich mir das mit Linda genauso...

    Ich kenne hier 16jährige Hunde, die für ihr Alter sehr fit sind. Und ich kenne 16jährige, die schon seit 6 Jahren steinalt sind (aber immer noch leben) und kaum um das Quadrat kommen.

    Und erst neulich hat ja auch Tibi darüber gebloggt, dass sie nun ein Wägelchen bekommen hat, um weiterhin überall mit dabei sein zu können. Auch eine von vielen tollen Möglichkeiten.

    Aber wie es auch immer kommen mag, wir werden es unseren Fellnasen schön machen.

    LG Andrea mit Linda

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    1. Dieses unterschiedliche "Altwerden" habe ich auch so empfunden Andrea. Mein zweiter Hund Benji altert richtig wie man es sich bei einem älteren Hund vorstellt mit allen Stufen. Nicci mein dritter Hund war bis einem halben Jahr vor seinem Tod ein kleiner agiler Wirbelwind. Beide wurden aber über 16 Jahre.
      Ich denke man macht sich mit der richtigen Einstellung zum Alter des Hundes auch selber einfacher. In dem Moment wo man bestimmte Dinge einfach als normal empfindet und akzeptiert ist es nichts schlimmes. Ich denke das wird bei dir auch so sein und Linda wird ähnlich wie Kim altern.
      Liebe Grüße
      Sali

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    2. Wenn eine Fellnasen in die Jahre kommt, muss jeder überlegen, wie man damit umgeht, um es dem Hund und sich einfach zu machen. Heute saß Tibi im Hundebuggy. Echt voll ruhig und entspannt. Langsam freue ich mich auf den Urlaub...
      Hier Zu Hause fahren wir einfach mit dem Auto zum Gassiweg. Früher ist Tibi ins Auto gehüpft und wieder raus. Jetzt ist sie unsicher und manchmal musste ich zugreifen, damit sie sich nicht weh tut beim Raushüpfen.
      Ok der Service wurde erweitert und Tibi wird ins Auto gehoben und auch wieder raus. Treppe hoch? Ok das geht gut, runter? Nein da wäre sie fast runter gepurzelt.
      Ich sage immer ne alte Oma rennt auch nicht mehr 100 Meter in 15 Sekunden...
      Also schaue ich, was Tibi schafft zu gehen, ohne, dass sie fix und fertig ist.
      Wenn jemand einen Hundebuggy kaufen will, schaut genau, dass die Liegefläche groß genug ist, das Gewicht des Hundes auch für den Buggy passt. Ich hatte mich entschieden einen Buggy zu kaufen, der schön vorn runter zu klappen geht.
      Liebe Grüße von Sylvia

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    3. Hallo Sylvia,
      deine Anregung mit dem Hundebuggy finde ich klasse. Ich muss gestehen als ich so ein Teil vor einigen Jahren in Dortmund auf einer Ausstellung sah, dachte ich noch "was soll das denn". Ich hatte die Befürchtung, dass "Kleinhunde" jetzt erst recht nicht laufen dürfen. Aber für ältere oder eingeschränkte Hunde finde ich es einfach genial! Eine bessere Möglichkeit gibt es nicht den Hund zu integrieren. Super, dass Tibi den Wagen auch sofort angenommen hat.
      Liebe Grüße
      Sali

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  4. Ein schöner, bewegender und trauriger Beitrag.
    Alte Hunde sind finde ich etwas ganz besonderes...
    Wenn ich mir Deco manchmal anschaue, muss ich auch immer staunen.
    Unser Männlein ist nun schon 12 Jahre alt - noch top fit und wirklich ein lebenslustiger Kerl.
    Ich habe das Gefühl um so älter er wird um so doller und verrückter wird er :).
    Ich hoffe wir werden noch viele gesunde Jahre zusammen verbringen können.

    LG, Carola mit Deco und Pippa

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    1. Das stimmt Carola! Klar es macht mich auch traurig, wenn ich daran denke, dass die restliche gemeinsame Zeit nicht mehr so lang ist. Aber es sind auch die schönsten und intensivsten Jahre oft miteinander. Deco wirkt auf Fotos wirklich nie wie 12 Jahre. Ich war ganz erstaunt, als ich das zum ersten Mal bewusst gelesen hatte bei dir.
      Liebe Grüße
      Sali

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  5. Unsere Lotta ist 16 Jahre alt geworden. Da sie mit meinen beiden Töchtern gemeinsam groß geworden ist, war sie wie ein drittes Kind bei uns, bloß mit Fell. Auch als sie alt wurde, war sie immer mit dabei. Da sie nur sieben Kilo wog, konnten wir sie gut im Rucksack tragen, wenn ihr die Wege zu weit wurden. Als Karlsson ins Haus kam, war sie beste Oma-Schwester für ihn, die man sich vorstellen kann. Die beiden haben sich sehr geliebt. Alte Hunde haben ihren ganz eigenen Charme, ich mag graue Schnauzen wirklich sehr. Aber Tibet Terrier sind ja bekannt dafür, dass sie sehr alt werden. Mit zehn Jahren Chiru erst ein Jung-Senior :)))
    Liebe Grüße aus Terrierhausen

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    1. Wenn Chiru die Gene seiner Eltern mitbekommen hat haben wir noch einige schöne Jahre vor uns. Sein Vater wurde 16 Jahre und seine Mama ist mit ihren fast 14 Jahren top fit :-)!
      Alte Hunde haben wirklich ihren ganz eigenen Charme - das stimmt. Ihre Blicke treffen mich immer mitten ins Herz.
      Liebe Grüße
      Sali

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  6. Liebe Sali,

    du hast Recht, Alter ist keine Krankheit, nur kommen leider mit dem Alter die Krankheiten und wenn du richtig Pech hast, ereilt das Alter einen Hund auch schon in extrem jungen Jahren. Wir aber hoffen, du hast die Kraft, es Chiru noch viele Jahre schön zu machen und ihr behaltet dabei beide eure Lebensfreude bei.

    Wuff-Wuff dein Chris

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    1. Lieber Chris, da hast du recht. Und genau das halte ich mir auch immer vor Augen, wenn mir das Alter von Chiru Angst macht und ich versuche hochzurechnen wie viele Jahre wir noch haben. Es kann ganz schnell vorbei sein. Die schlimme Erfahrung musstet ihr ja mit Dusty machen.
      Liebe Grüße
      Sali

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  7. Liebe Sali,
    unsere Lotte wird nächsten Monat 10 Jahre alt. Davon ist sie schon 8 einhalb Jahre krank. Die Tierärzte hatten uns damals gesagt das Lotte allerhöchstens 5 Jahre alt werden würde. Wir haben unseren ganzen Tagesablauf auf Lotte abgestimmt. Ich staune immer wieder wie flott sie noch unterwegs ist. Das kann natürlich auch schnell vorbei sein. Die Angst bleibt immer. Aber ein klein bisschen glaube ich das Emma die Lotte auch ein bisschen jung hält. Obwohl Emma ja nun auch schon 7 Jahre alt wird. Wie schnell doch die Zeit vergeht.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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    1. Das stimmt die Jahre verfliegen viel zu schnell - leider. Lotte zeigt für mich, dass man schlimmen Diagnosen von einem Tierarzt auch nicht immer glauben darf. Ich wünsche euch aus ganzen Herzen, dass es Lotte noch lange gut geht und sie mit ihrer/eurer Emma um die Wette flitzen kann.
      Liebe Grüße
      Sali

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  8. Liebe Sali,

    auch ich hatte schon meine alten Hunde und ich muss zugeben, bei Dingo hat mich das "Alter" irgendwann überrascht. Ich hatte das auch schon mal in einem Beitrag über Dingos Tod geschrieben (http://issnruede.de/hund-ist-gestorben)... manches ging so schleichend und plötzlich war er 14 Jahre alt.
    Lady wurde auf ganz andere Art alt - sie wurde nur gemütlicher und ruhiger ... aber auch ich änderte mich in diesen Jahren. Mein Umgang mit dem Alter und auch Krankheiten wurde ein anderer. Das war sicher auch gut so, denn als Laika kam war vieles ja ganz anders und ich bin froh, dass ich einen sehr lockeren Umgang mit gesundheitlichen Einschränkungen pflegen kann - was geht wird gemacht, für alles andere findet sich immer eine Lösung.
    Mittlerweile ist ja auch Damon schon 10 Jahre alt ... und so ein paar Wehwehchen hat er auch. Aber wir machen trotzdem noch alles - vielleicht nicht so schnell, nicht so lang und nicht mehr so intensiv ... aber mit Genuss und alle gemeinsam.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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    1. Liebe Isabella,
      dein letzter Satz hat mich sehr berührt "...mit Genuss und alle gemeinsam". Genau das wollte ich als Wunsch mit meinem Beitrag ausdrücken - das empfinde ich genauso! Deine realistische, aber auch sehr liebevolle Art mit traurigen Situationen umzugehen finde ich toll.
      Liebe Grüße
      Sali

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  9. Liebe Sali,
    euer Beitrag für das Altwerden unserer Fellnasen hat uns sehr berührt. Auch wir haben eine graue und weise Oma hier bei uns. Jeden Tag sehen wir ihr das Alter an. Aber gerade heute als die Sonne den ganzen Tag schien, sie den ganzen Tag im Garten verbringen konnte und uns mit einer Spielaufforderung begrüßt hat, war sie wieder ein kleiner lustiger Welpe. Solche Momente machen es einfacher. Wir sind jeden Tag stolz, dass wir Anne auf ihrem Lebensweg begleiten dürfen.
    LG, Caspers Frauchen

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    1. Liebes Casper-Frauchen, ein wunderschöner Kommentar und ich wünsche euch noch viele glückliche Momente mit Anne (und natürlich Casper). Dein Satz "auf ihren Lebensweg..." halte ich mir oft vor Augen. Hunde leben kürzer wie wir und man sollte jeden Tag und jeden Moment mit ihnen genießen und ihnen so schön wie möglich machen.
      Liebe Grüße
      Sali

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